Thüringer Allgemeine
Sonntag 07. November 2004

Wir bleiben hier!

HAUSEN. Zwölf Monate lang haben 15 Mitglieder einer Arbeitsgruppe unter Anleitung durch die Lernende Region der TU Ilmenau, die Friedrich-Ebert-Stiftung Thüringen und die Unternehmensberatung Duo Consult in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und den Städten Arnstadt und Ilmenau an der Vorbereitung einer Zukunftskonferenz für den Ilmkreis gearbeitet. Teilnehmer aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens, die durch ihre praktische Tätigkeit eine hohe fachliche Kompetenz in ihren spezifischen Betätigungsfeldern und darüber hinaus erworben haben, sind nunmehr für zwei Tage im Erlebnishof in Hausen zusammen gekommen, um Wege und Methoden zu entwickeln, die ein ausgefülltes Leben im Ilmkreis ermöglichen. Denn das Motto der Zukunftskonferenz ist kein geringeres als der fast schon trotzig klingende Ausruf: Wir bleiben hier! Unsere Zukunft im Ilmkreis. Ernüchternd, aber nicht ohne hoffnungsvollen Ausblick, vor allem aber realistisch konfrontierte Landrat Lutz-Rainer Senglaub die Anwesenden in einer vierzigminütigen Ansprache mit den nackten Tatsachen, Fakten und Zahlen hinsichtlich der Entwicklung des Kreises. Erstmals ohne Haushalt in das neue Jahr zu gehen, sei kein angestrebtes Ziel gewesen. Da der Ilmkreis aber nicht isoliert existiere, gingen gesamtdeutsche wie europäische Entwicklungen auch an ihm nicht vorbei. Hohe Personalkosten, bürokratische Überregulierungen, zu starres Arbeits- und Tarifrecht, undurchschaubares Steuerrecht, mangelnde Arbeitsmarktflexibilität, Reformstau, restriktive Gesundheitspolitik sind wesentliche Gründe dafür, dass Deutschland nur 7,5 Prozent ausländische Investitionen zu verzeichnen hat, selber aber 40 Prozent seiner Investitionen im Ausland tätigt. Produktionskosten von durchschnittlich 25 Euro pro Stunde in den alten und 16 Euro in den neuen Bundesländern stünden etwa zwei bis drei Euro pro Stunde in Polen, Tschechien und Ungarn gegenüber. Dennoch seien die meisten Gewerbegebiete ausgelastet und es gebe Anzeichen für weitere Ansiedlungen. Denkanstöße lieferten auch Hinweise zur Bevölkerungsentwicklung und zur Entwicklung der Schülerzahlen seit 1995, zum Stellenwert von Tourismus und Landwirtschaft im Kreis. Alle diese Aspekte vor dem Hintergrund einer globalen Betrachtung zu analysieren, um für den lokalen Bereich Zukunftstheorien zu entwickeln und handlungsfähig zu werden, soll Aufgabe der Konferenzteilnehmer in eigens dazu gebildeten Arbeitsgruppen sein. Ziel soll die Gestaltung eines an Chancen und Perspektiven reichen Kreises sein, in dem dauerhaftes Leben und Arbeiten möglich ist. Begleitet werden die Teilnehmer von den Moderatoren Katharina König, Lernende Region Ilmkreis, und Reinhard Frommann, Duo Consult, der Erfahrungen in der Durchführung von Zukunftskonferenzen in anderen Regionen Deutschlands hat.Melitta THIELE
05.11.2004



Thüringer Allgemeine
Sonntag 07. November 2004

Zukunftskonferenz sucht Wege aus der Misere

HAUSEN (mth). Ausblick und Hoffnung geben will eine Zukunftskonferenz, die seit gestern in Hausen tagt. Zwölf Monate lang hat eine Arbeitsgruppe unter Anleitung durch die Lernende Region der TU Ilmenau, die Friedrich-Ebert-Stiftung Thüringen und die Unternehmensberatung Duo Consult in Zusammenarbeit mit Landratsamt und den Städten Arnstadt und Ilmenau an der Vorbereitung dieser Konferenz für den Ilmkreis gearbeitet.
Teilnehmer aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens, die durch ihre praktische Tätigkeit eine hohe fachliche Kompetenz in ihren Betätigungsfeldern und darüber hinaus erworben haben, sind nunmehr für zwei Tage im Erlebnishof in Hausen zusammen gekommen, um Wege und Methoden zu entwickeln, die ein ausgefülltes Leben im Ilmkreis ermöglichen. Denn das Motto der Zukunftskonferenz ist kein geringeres, als der fast schon trotzig klingende Ausruf: "Wir bleiben hier! Unsere Zukunft im Ilmkreis". Ernüchternd, aber nicht ohne hoffnungsvollen Ausblick, vor allem aber realistisch konfrontierte Landrat Lutz-Rainer Senglaub die Anwesenden in einer vierzigminütigen Ansprache mit den nackten Tatsachen, Fakten und Zahlen hinsichtlich der Entwicklung des Kreises. Erstmals ohne Haushalt in das neue Jahr zu gehen, sei kein angestrebtes Ziel gewesen. Da der Ilmkreis aber nicht isoliert existiere, gingen gesamtdeutsche wie europäische Entwicklungen auch an ihm nicht vorbei. Hohe Personalkosten, bürokratische Überregulierungen, zu starres Arbeits- und Tarifrecht, undurchschaubares Steuerrecht, mangelnde Arbeitsmarktflexibilität, Reformstau, restriktive Gesundheitspolitik sind einige wesentliche Gründe dafür, dass Deutschland nur 7,5 Prozent ausländische Investitionen zu verzeichnen hat, selber aber 40 Prozent seiner Investitionen im Ausland tätigt. Produktionskosten von durchschnittlich 25 Euro pro Stunde in den alten und 16 Euro in den neuen Bundesländern stünden etwa zwei bis drei Euro pro Stunde in Polen, Tschechien und Ungarn gegenüber. Dennoch wären die meisten Gewerbegebiete ausgelastet und es gäbe Anzeichen für weitere Besiedelungen. Denkanstöße lieferten auch Hinweise zur Bevölkerungsentwicklung allgemein und speziell zur Entwicklung der Schülerzahlen seit 1995, sowie der Stellenwert von Tourismus und Landwirtschaft im Kreis. Alle diese Aspekte vor dem Hintergrund einer globalen Betrachtung zu analysieren, um für den lokalen Bereich Zukunftstheorien zu entwickeln und handlungsfähig zu werden, soll Aufgabe der Konferenzteilnehmer in eigens dazu gebildeten Arbeitsgruppen sein. Ziel soll die Gestaltung eines an Chancen und Perspektiven reichen Kreises sein, in dem dauerhaftes Leben und Arbeiten möglich ist.
Begleitet werden die Teilnehmer von den Moderatoren Katharina König, Lernende Region Ilmkreis, und Reinhard Frommann, Duo Consult, der bereits Erfahrungen in der Durchführung von Zukunftskonferenzen in anderen Regionen Deutschlands hat.
Melitta THIELE
05.11.2004



Thüringer Allgemeine
Sonntag 07. November 2004

Den Blick optimistisch nach vorn

HAUSEN. Der Ilmkreis existiert nun seit zehn Jahren. Ist das ein Grund über die Zukunft des Kreises nachzudenken? "Auf jeden Fall", dachte sich die Lernende Region Ilmkreis und veranstaltete am vergangenen Wochenende eine Zukunftskonferenz.
"Die Zukunft wird so aussehen wie wir sie gestalten", sprach einst der französische Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler Jean Fourastié. Nun machten sich dies zirka 30 Personen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft zum Leitmotto des Wochenendes (TA berichtete).
Die Teilnehmer sollen ein Stück Zukunft entwickeln und keine Luftschlösser erbauen, besagt das Grundprinzip der Zukunftskonferenz. Die Moderatoren Katharina König und Reinhard Frommann stellten verschiedene Aufgaben. So galt es, zunächst einmal einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Die Gewährleistung der sozialen Sicherheit und die regionale Bezogenheit waren unzweifelhaft positive Aspekte in den 70er und 80er Jahren. Mehrfach Erwähnung fand die Wende und die damit verbundenen Hoffnungen und Chancen. Neuorientierung im Beruf, Verbesserung der Wohnqualität und die Zunahme des Vereinslebens wurden benannt.
Eine weitere Aufgabe war das Zusammenstellen von Trends. Gewaltzunahme, psychosoziale Überlastung, Internationalisierung, Globalisierung, Individualisierung und Zunahme der Ungleichheit sind nur einige Einwürfe der Mitwirkenden. Was kann nun getan werden?
Die möglichen Antworten stellte jede Interessengruppe nach langen Diskussionen dar. Eine radikale Bildungsreform, Entbürokratisierung, Eigenverantwortung, Stärkung des Binnenmarktes und Gespräche mit anderen Menschen waren einige der Vorschläge. Die letzte Aufgabe des ersten Tages bestand aus der Benennung von Dingen, auf die man stolz ist und solche, die man bedauert. Stolz waren und sind Teilnehmer auf das, was sie selbst geschaffen haben. Darauf, dass sie Bürger und Bürgerinnen des Ilmkreises sind und als diese mitwirken dürfen. Gleichzeitig bedauerten sie das Desinteresse am aktuellen Geschehen und zunehmenden Lobbyismus. Der Tag endete mit einer Lesung von Landolf Scherzer mit seinem Buch "Der Grenzgänger."
Auf Tag zwei freuten sich die Zukunftsmacher am meisten. Es galt, sich den Ilmkreis im Jahr 2014 vorzustellen. Verschiedenste Probleme wurden in anschaulichen Präsentationen, zum Beispiel durch eine Bürger- und Schulstunde, eine Fernsehsendung und vieles mehr, angesprochen und Lösungsvorschläge genannt. Am Ende wurden alle Probleme, die die Beteiligten sahen, aber auch Wünsche und Ziele, was man in der Zukunft dagegen tun kann, zusammengefasst in vier Maßnahmen. So werden die Themen Verwaltungs- und Bildungsreform jeweils in einer Gruppe in Angriff genommen. Akademie Lebensbildung heißt eine andere Initiative, die sich mit Bildung, Mensch und Natur beschäftigt. Das vierte Ergebnis der Zukunftskonferenz ist die Gruppe Wirtschaft und Tourismus. Sie versucht die Entwicklung innovativer Produkte zu fördern und eine Tourismuskonferenz einzuberufen. Von Henry BUCHBERGER
07.11.2004


(unbenannt)












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